Sultan Abdülaziz und das Rheinland

30/01/2018

In Kooperation des Yunus Emre Enstitüsü Köln und des Kölnischen Stadtmuseums wurden unentdeckte Begegnungen zu dem Europabesuch von Sultan Abdülaziz im Jahre 1867 vorgestellt. Das Programm fand mit einem Vortrag von Dr. Mario Kramp, dem Direktor des Kölnischen Stadtmuseums und einer musikalischen Begleitung mit Stücken aus der Epoche statt.

Ein wichtiger Höhepunkt der deutsch-türkischen Freundschaft

Dr. Mario Kramp verdeutlichte wertvolle Begebenheiten des Besuches von Sultan Abdülaziz, dem einzigen Sultan, der während seiner Herrschaftszeit Europa besuchte. Der 47-tägige Europabesuch des Sultans, der nach Koblenz mit einem kurzen Halt in Köln-Ehrenfeld führte, gilt als wichtiger Beitrag zu den deutsch-türkischen Beziehungen.

Dr. Kramp stellte auch Eindrücke aus einem ‚gefälschten‘ Tagebuch des Sultans mit dem Titel ‚Tagebuch des Sultans-Erinnerungen an Paris, London, Koblenz und Wien‘ aus dem Jahr 1867 vor. Bei dem zur Europareise entstandenen Tagebuch handelt es sich allerdings um eine gelungene Fälschung, da das Dokument in deutscher Sprache vorzufinden ist, dessen türkisches Original weder in Deutschland noch in der Türkei entdeckt wurde und wohlmöglich  gar nicht existierte.

Neben der Vorstellung des Scheintagebuches, verdeutlichte Dr. Kramp auch die Epoche des Sultan Abdülaziz. Dieser gilt neben seiner reformerischen Persönlichkeit und als zentrale Figur der Verwestlichung des Osmanischen Reiches, als Liebhaber der schönen Künste. In diesem Rahmen unterstütze er damals sogar den Bau des Richard-Wagner-Festspielhaus in Bayreuth mit umgerechnet 70000€. Nicht nur die Musik interessierte ihn, sondern auch andere Künste. Denn Grund für den Europabesuch war die Einladung von Napoleon III. zur Welt-Ausstellung in Paris. Im Rahmen seiner Reise besuchte er nach dem Zusammentreffen mit Napoleon III. in Paris, die Königin in England, übernachtete im Buckingham Palace in London und kehrte nach Aufenthalten in Koblenz und Wien zurück. In Koblenz wurde er von Kaiser Wilhem I. und Angereisten aus der Umgebung der preußischen Stadt festlich empfangen. Diese Begegnung gilt als intensivster Punkt der deutsch-türkischen Beziehungen.

Nach dem Programm gab es ein musikalisches Konzert mit Kompositionen aus der Epoche von Sultan Abdülaziz.